Agilität - Erfolge in der Praxis organisationspsychologisch beleuchtet

15:00 - 16:00 Agile Transitions

Summary

Als Unternehmen agil zu sein, bringt Herausforderungen mit sich. Praxisbeispiele zeigen diese auf, wissenschaftliche Modelle liefern Erfolgsfaktoren.

Description

Das Schlagwort Agilität verspricht Organisationen höhere Effizienz bei gleichzeitig leistungsstarker und gesunder Belegschaft. Immer mehr Organisationen außerhalb der traditionell agilen Bereiche wie der Softwareentwicklung möchten ihre Unternehmensstrukturen agiler gestalten. Die Arbeits- und Organisationspsychologie bietet dazu bereits erste fundierte Erkenntnisse aber auch einige offene Forschungsfragen.

Aus arbeits- und organisationspsychologischer Sicht lässt sich die Agilität, zumindest ein Teil davon, in bestehende und gut erforschte Konzepte einordnen. Agilität geht jedenfalls einher mit einem hohen Grad an autonomen Handeln und einem hohen Grad an Flexibilität in Veränderungsprozessen. Autonomie, Flexibilität und Handlungsspielraum werden als wichtige Ressourcen am Arbeitsplatz gesehen, die kritische Folgen von Arbeitsbelastung reduzieren und Motivation und Leistung aufrechterhalten können. Autonomie und Flexibilität sind somit wichtige Bestandteile erfolgreicher agiler Teams.

Ob Agilität die gesamte Organisation betreffen soll oder einzelne Teams ist eine Frage die im Bereich der Agilität oftmals gestellt wird. Im Forschungsgebiet der Arbeits- und Organisationspsychologie werden autonome, selbstorganisierte Teams untersucht und als erfolgreich beurteilt. Diese Forschungsergebnisse kann man weitgehend auf agile Teams übertragen. Agile Teams in Unternehmen mit bisher hierarchisch geführten Strukturen bringen aber Herausforderungen mit sich. Um Agilität vollständig leben zu können, braucht es nicht nur passende „Strukturen“, sondern vor allem auch eine Unternehmenskultur, die agile Teams zumindest zulässt.

Nun stellt sich natürlich die Frage der agilen Unternehmenskultur, die durchaus wieder die große Frage mit sich bringt ob der Begriff der Unternehmenskultur aus arbeits- und organisationspsychologischer Sicht so weit fundiert ist, dass er in Richtung agile Organisationen weiterentwickelt werden kann.

Neben der Organisation, der Kultur und dem Team ist es naheliegend, dass auch der Mensch und die Forschung zum Thema „Mensch in agilen Strukturen“ nicht zu kurz kommen dürfen. Dies gilt insbesondere dann, wenn es das Ziel ist, die Agilität in bestehenden Teams weiterzuentwickeln oder Menschen von klassisch hierarchischen Strukturen in agile Teams zu integrieren: Sind die Menschen in den Teams gut vorbereitet auf Veränderungen? Veränderungen sind grundlegend zu Beginn mit Unsicherheiten verknüpft, die auch in agilen Teams entstehen können, wenn die Teammitglieder nicht ausreichend auf die neue Arbeitsweise vorbereitet wurden. Vor allem der hohe Grad an Autonomie und Flexibilität können kritische Auswirkungen zeigen. Ist die Unsicherheit im Team groß, dann ist die Möglichkeit individuell Entscheidungen zu treffen und Verantwortung über das eigene Handeln übernehmen zu können keine Ressource mehr, sondern ein Belastungsfaktor. Neben den Rahmenbedingungen im Unternehmen und im Team muss hier auch die individuelle Komponente betrachtet werden: passen alle Menschen in agile Teams? Sind es spezielle Eigenschaften, die Menschen mitbringen müssen, um in agilen Teams leistungsfähig und glücklich zu sein? Sind diese Eigenschaften „Traits“ oder „States“ – also bleibende Eigenschaften oder können sie individuell entwickelt werden?

Um die Belastung von agilen Teams möglichst gering zu halten, müssen bei der Entstehung agiler Teams und/oder Organisationen Herausforderungen auf der organisationalen Ebene sowie auf der individuellen Ebene berücksichtigt werden. Auf der organisationalen Ebene müssen Rahmenbedingungen durch das Unternehmen geschaffen werden, um agilen Teams die Möglichkeit zu geben, sich optimal zu entwickeln. Auf der individuellen Ebene sollten die einzelnen Mitarbeiter so gut wie möglich hinsichtlich ihrer Kompetenzen und Erfahrungen auf den Umstieg von hierarchischen Organisationsprozessen in agile Prozesse vorbereitet werden. Diese Vorbereitungsaktivitäten bieten die Basis für einen erfolgreichen Umstieg von hierarchischen zu agilen Teams.

Ziel des Vortrags ist es, aktuelle Befunde aus wissenschaftlicher Sicht und Erfahrungen aus der Praxis in der Beratung von Unternehmen darzustellen und Erfolgsfaktoren für Agilität auf der Organisations-, Team- und Individual-Ebene aufzuzeigen. Im Abschluss wird ein Ausblick auf aktuelle Forschungsfragen gegeben.

Learning Objectives

Erwerben von Wissen über Agilität aus arbeits- und organisationspsychologischer Sicht

Verstehen von Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren von Agilität in Organisationen und im Wechsel von hierarchischen zu agilen Prozessen

Erwerben von erweitertem Wissen zu branchenübergreifender Agilität

Erreichung von Sicherheit im Aufbau von agilen Organisationen und/oder Teams

Venue:
Europasaal A
Speaker:
Paulino Jiménez