Welche Konzepte aus der Welt von Holacracy können für jedes agile Team hilfreich sein? (DE)

13:00 - 14:30 Why Agile

Speaker: Gregor Karlinger, Bernhard Ibertsberger
Language: German
Format: Workshop

Holacracy als Betriebssystem für Selbstorganisation enthält eine Reihe von Konzepten, die auch für sich alleine genommen hilfreich sein können, um die Verteilung von Aufgaben und Verantwortungen in einem agilen Team zu schärfen. In diesem Workshop werden wir diese Konzepte kennenlernen und probieren.

Beschreibung:

Agile Prozessen liegt das Prinzip von selbstorganisierten Teams zugrunde, dennoch bieten die Frameworks (wie zum Beispiel Scrum) wenig Anleitung um Selbstorganisation zum Gelingen zu verhelfen. Holacracy als Betriebssystem für Selbstorganisation enthält eine Reihe von Konzepten, die auch für sich alleine genommen hilfreich sein können, um die Verteilung von Aufgaben und Verantwortungen in einem agilen Team zu schärfen.

Beispiele für diese Konzepte sind:
* Klare Definition einer Rolle in Form eines übergeordneten Zwecks, klaren Verantwortlichkeiten und festgelegten Regeln;
* klare Trennung von taktischen (Arbeiten im System) und steuernden Besprechungen (Arbeiten am System) sowie ein klar strukturiertes Format für jeden dieser beiden Besprechungstypen;
* ein klarer Prozess für das Treffen von Gruppen-Entscheidungen, der alle Betroffenen zu Beteiligten macht, ein Commitment aller für die getroffene Entscheidung begünstigt und für ein “Im Zweifel für das Experiment” steht.

Können diese Konzepte auch außerhalb einer Holacracy und jeweils für sich genommen angewendet werden bzw. sich als nützlich erweisen? Aus Erfahrung der Vortragenden ganz eindeutig ja:
* Viel Reibung entsteht in einem Team oft dadurch, dass die Teammitglieder unausgesprochene Erwartungen aneinander haben, die oft auch noch recht unterschiedlich sind. Da kann es sehr hilfreich sein, diese Erwartungen aneinander klar in Form von ausdifferenzierten Rollenbeschreibungen festzulegen und so transparent zu machen.
* In vielen agilen Teams führen ineffektiv geführte oder schlecht moderierte Meetings zum Gefühl, viele dieser Meetings seien entbehrlich. Dabei wäre effektiv gestaltete Kommunikation eine der wesentlichen Säulen agilen Arbeitens (*). Die strukturierten Meeting-Formate der Holacracy bieten hier einen reichen Fundus an Ideen für gut gestaltete Meetings.
* Schwierige Entscheidungen lähmen oft auch eingespielte agile Teams. Oft wird dabei herbeigeredet, was nicht alles passieren könnte, wenn man einen am Tisch liegenden Vorschlag umsetzen würde. Der Entscheidungsprozess für Gruppen-Entscheidungen aus der Holacracy (Integrativer Entscheidungsprozess) hilft, in diese Lähmung gar nicht erst zu geraten. Denn er ist so gestaltet, dass er Entscheidungen für einen Vorschlag im Sinne eines Experiments begünstigt (“save enough to try”) und in dem er nicht versucht, einen Konsens zu erzielen (“alle dafür”), sondern einen Konsent (“niemand hat einen schwerwiegenden Einwand”).

In diesem Workshop werden wir diese Konzepte in Form kurzer Inputs vorstellen. Anschließend werden die Teilnehmerinnen versuchen, die Konzepte in spielerischer Form unmittelbar anzuwenden.

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(*) Vergleiche etwa das Prinzip Nr. 6 des agilen Manifests: “Die effizienteste und effektivste Methode, Informationen an und innerhalb eines Entwicklungsteams zu übermitteln, ist im Gespräch von Angesicht zu Angesicht.”

Lernziele:

* Das Konzept der Rollenbeschreibung zur klaren Verteilung von Verantwortlichkeiten in einem Team kennenlernen;
* zwischen taktischen Meetings (“Arbeiten im System”) und steuernden Meetings (“Arbeiten am System”) klar unterscheiden können und die Nützlichkeit dieser Unterscheidung erkennen;
* den Integrativen Entscheidungsprozess der Holacracy kennenlernen und die wesentlichen Unterschiede zu anderen konventionellen Entscheidungsprozessen erkennen;
* alle vorgestellten Konzepte in zumindest einer spielerischen Sequenz erproben.

Venue:
Erzherzog Johann Saal