Disruption in der Abfallwirtschaft! (DE)

16:15 - 17:00 Why Agile

Speakers: Dr. Andreas Opelt, DI Willibald Erhart, MBA MSc
Language: German
Format: Double Conference

Digitalisierung hat bekanntlich schon die unterschiedlichsten Branchen maßgeblich verändert und schon recht früh vor Augen geführt, dass sich Unternehmen heute rasch in die digitale Welt eingliedern müssen. Dazu muss auch die erforderliche Grundlage für schnellere Innovationen gelegt werden. Dieser Beitrag erzählt von der Reise eines Abfallentsorgers weg vom traditionellen Betrieb hin zum führenden Unternehmen im Bereich Waste Intelligence. Von einer Branche, die seit Jahrzehnten fast ausschließlich analog agiert und die von den sich ihr durch die Digitalisierung bietenden Geschäftsmöglichkeiten nichts ahnt. ","Die Digitalisierung hat in den letzten Jahren viele Branchen verändert. Die neuen technischen Möglichkeiten revolutionieren Geschäftsmodelle und verkürzen Produkt- und Servicelebenszyklen. Viele Unternehmen stehen unter großem Druck, denn die Notwendigkeit für Innovationen mit schneller Produkteinführung hat sich massiv erhöht. Die Softwareindustrie ist von dieser Entwicklung schon früh geprägt worden. Um erfolgreich am Markt bestehen zu können, haben sich in diesem Sektor seit einigen Jahren agile Managementmethoden durchgesetzt. Andere Industrien haben die Vorteile besonders im Hinblick auf Innovationen erkannt und setzen nun ebenfalls auf moderne, flexible Führungsprinzipien. Dennoch hat die neue Art des Führens und Entscheidens, gepaart mit dynamischen Organisationsstrukturen und offener selbstverantwortlicher Unternehmenskultur, bis jetzt nur einzelne Branchen erreicht. Dieser Beitrag beschreibt den Weg eines Entsorgers vom traditionellen, analog und hemdsärmelig geprägten Betrieb zum führenden Unternehmen Österreichs im Bereich Waste Intelligence. Die Entwicklung ist bemerkenswert, da die gesamte österreichische Abfallwirtschaft stark im herkömmlichen Geschäft verankert ist und der Fokus viel mehr auf Abfall als auf Kunden lag.

Den Start zur Transformation stellte ein spezielles Leuchtturm-Projekt dar. Ein kleines Team hat sich mit agilen Entwicklungen und Werkzeugen vertraut gemacht. Das Projekt wurde innerhalb kürzester Zeit erfolgreich auf den Markt gebracht und in nur wenigen Monaten zum größten Baustellenentsorger in Österreich, ohne ein eigenes Fahrzeug zu besitzen. Die „Wegbeschreibung“ beinhaltet beide Seiten, die der Geschäftsentwicklung (Andreas Opelt, Vertriebsdirektor) und die der IT-Entwicklung (Willibald Erhart, Leiter Softwareentwicklung).

In einer Double-Conference wird dargelegt, welche Herausforderungen in diesem Projekt gelöst werden mussten. Besonders interessant sind die unterschiedlichen Blickwinkel. Ein Beispiel: Es war das erste Mal, dass sich ein Industrieunternehmen der Entsorgungsbranche die Frage gestellt hat, ob es Bereiche gibt, wo ein „neuer, schneller digitaler Player“ einen Geschäftsbereich attackieren und übernehmen könnte. Heute liegt dieses Vorgehen besonders in der Beratung sehr im Trend. Doch vor ein paar Jahren war dieses „Hinterfragen“ kaum bekannt und vor allem in der Abfallwirtschaft vollkommen unüblich. Die Analyse wurde in-house gemacht. Auf Basis der Erkenntnisse wurde die – schwere – Entscheidung getroffen, einen Geschäftsbereich aus dem Kerngeschäft vollkommen zu verändern, da er – über kurz oder lang – ein zu hohes Risiko barg, von einem digitalen Konkurrenten unter Druck zu geraten. Stellen Sie sich vor, Sie kennen sich in der Abfallwirtschaft aus, nicht aber mit digitalen Plattformen. Die Hürde hier einen Schritt in Richtung dieser Kompetenz zu gehen ist sehr hoch. Und: Welcher Plattformentwickler bewirbt sich schon bei der Müllabfuhr? Step-by-step wurde das Geschäftsmodell entwickelt, moderne Werkzeuge wie etwa das Business Model Canvas eingeführt und ein vollkommen agiles Team aufgebaut. Vieles war unsicher und neu. Die Konstante und einzige Bekannte war das Datum, wann das Projekt am Markt sein sollte. Das war für alle eine ganz neue Erfahrung und daher auch nur mit agilen Methoden realistisch handhabbar. Wir beschreiben die einzelnen Schritte des Leuchtturm-Projektes und verraten, wo die Treiber für den Erfolg liegen und Widerstände verhindert bzw. reduziert werden können.
Auf Basis des erfolgreichen Leuchtturm-Projektes wurde der Organisation die agile Gedankenwelt nähergebracht. Erste Experimente mit Scrum-Boards und weiteren agil durchgeführten Projekten erhöhten das Vertrauen in die Methode. Gleichzeitig wurde Know How aufgebaut und eine breitere Erfahrung in der Anwendung der Tools und Abläufe gewonnen. Die Kraft der Selbstverantwortung und Eigeninitiative stieg insbesondere durch Schulungsmaßnahmen für Führungskräfte und ausgewählte Mitarbeiter. Für das „Daily Business“ wurde das bisherige hierarchische Management beibehalten. Jedoch überall wo Veränderung stattfinden sollte, wurde ganz agil oder zumindest mit Elementen der Agilität gearbeitet. Agile Managementkreise als weitere Maßnahme zur agilen Organisation sind für Abfallwirtschaftsunternehmen ein wichtiger nächster Schritt auf dem Weg zum modernen Unternehmen, das die Kunden in den Fokus stellt. Während die ersten Adaptoren ihr agiles Handeln bereits ständig weiterentwickeln, befinden sich andere Teile im Unternehmen noch mitten oder auch erst am Beginn des Weges.

Neben der Erfahrung aus dem Start im Leuchtturm-Projekt, diskutieren wir auch die Herausforderungen und Gefahren, die solch eine Veränderung, selbst Jahre nach Beginn der Transformation in sich tragen und zeigen auf, wie entscheidend die richtige Kommunikation und Change Begleitung ist.

Venue:
Erzherzog Johann Saal